Chaosmagie-Definition

symbol-of-chaos-magick-8-pointed-star

Der Begriff »Chaosmagie« beinhaltet oft den Widerhall von Drohung und Faszination zugleich. Wahrscheinlich ist allerdings die Annahme zutreffender, daß dies in der Absicht jener Menschen lag, die diesen Begriff prägten. Wie dem auch sei – es ist wichtig, zu bedenken, daß sich Gerald Gardner, als er seine Rekonstruktion des europäischen Heidentums in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts herausbrachte und sie »Hexenkunst« nannte, desselben Effekts ebenso bewußt war wie der Wirkung, die dies auf seine Zeitgenossen haben würde. Nichts geht über den Ruch des »Verbotenen«, wenn man Menschen faszinieren will.

Um dem »bösen« Image zu begegnen, das dem Begriff der »Hexenkunst« anhängt, füllte Gardner seine Schöpfung mit »Sei brav«-Moralpredigten mit nur dürftiger Verbindung zum Hedonismus (»So lange es niemandem schadet, tue, was du willst«) und mit einem eingebauten System göttlicher Vergeltung für die Anwendung von »böser Magie« (das Gesetz der dreifachen Wiederkehr). Man könnte auch sagen, daß er nicht den Mut hatte, alles auf eine Karte zu setzen.

Das Etikett »Chaosmagie« leidet unter zwei der Sache selbst innewohnenden Nachteilen. Zum einen zieht die »Cyberpunk«-Assoziation dieses Begriffes dieselben menschenfeindlichen Typen an, die sich bereits zuvor aus ähnlichen Gründen zum Etikett »Satanismus« hingezogen fühlten. Für sie ist es sozusagen eine Art »Satanismus-Light«. Dieser Menschentypus pflegte die Begriffe »Hexe« oder »Hexer« (Warlock) zur Selbstbeschreibung zu verwenden, bevor der Begriff der Chaosmagie in Mode kam – »Chaosmagier« klingt doch viel cooler. Dieselben Leute, die einst umgekehrte Pentagramme auf ihre schwarzen Lederjacken gemalt haben und sich »Hexer« nannten, sind nun zu Chaossternen übergewechselt und bezeichnen sich statt dessen als »Chaosmagier«.

Der zweite (und weitaus bedeutendere) Nachteil besteht darin, daß der essentielle Grundgedanke der Chaos-Magie natürlicherweise jeder Beschreibung trotzt, da er aufgrund seiner Natur in höchstem Maße persönlich und experimentell ist. Sogar jene Menschen, welche die Ausübung der Chaos-Magie für sich in Anspruch nehmen, empfinden eine Definition derselben über ihr persönliches Modell hinaus als äußerst schwierig.

Chaosmagie ist gefährlich, ehrfurchteinflößend, von großem Potential und aus diesem Grund höchst verlockend. Es ist »Magick ohne Schranken«. Die Regeln bestehen darin, daß es keine Regeln gibt – abgesehen davon, alles zu erlernen, was für jeden persönlich funktioniert und es zur Umsetzung des eigenen Willens einzusetzen.

Die Kraft der Chaosmagie liegt in ihrer Rätselhaftigkeit und ihrer Faszination. Es gibt ebenso keine Möglichkeit einer genauen Beschreibung der Chaosmagie wie es möglich ist, das Tao zu definieren. »Was man beschreiben kann, ist nicht Tao«, wie schon der alte Weise sagte. In gewisser Weise vermute ich, das Chaosmagier die letztendliche »Geheimgesellschaft« darstellen, obwohl dies eher in der Natur dieser Magieform selbst liegt und weniger durch Eide oder Verordnungen von oben erzwungen wird.

Warum also wird dieser Weg als Chaosmagie bezeichnet? Nun, mehr aus allgemeiner Übereinstimmung denn aus irgend einem anderen Grund. Doch ich kann ein paar Stellungnahmen anbieten:

Zunächst gibt es da die zugrundeliegende Annahme, daß alles im Universum miteinander in Verbindung steht, da uns die Chaosmathematik zeigt, daß all jene Dinge, die uns zufällig und willkürlich erscheinen, in der Tat chaotisch sind und über eine höhere »Ordnung« verfügen, die nur von einem weit genug entwickelten Standpunkt aus wahrgenommen werden kann. Chaos führt zur Wirklichkeit selbst und im Besonderen zur Lebenskraft und somit der Neigung der Materie zu Intelligenzzuwachs.

Dem Oxford English Dictionary zufolge ist das Wort »Chaos« griechischen Ursprungs. Seine originale Bedeutung war »ein ungeheurer Abgrund oder eine solche Kluft, eine unergründliche Spalte, leerer Raum, unendliche Dunkelheit, der Urzustand des Universums«. In der modernen Sprache wurde dies zu folgenden Bedeutungen verfeinert: »die ‚formlose Leere‘ der primordialen Materie, die ‚große Tiefe‘ oder der ‚große Abgrund‘, aus welchem sich der Kosmos oder die Struktur des Universums entwickelt haben.« Die volkstümliche Interpretation des Wortes als Synonym für »Unordnung« ist jüngeren Datums und stellt eine irregeleitete Entwicklung dar. Ordnung wie auch Unordnung sind in sich selbst Manifestationen des uranfänglichen Chaos. Die ursprüngliche Bedeutung hatte mehr mit dem gemein, was der Mystizismus des Ostens »Tao« nennt. Ich halte dies auf keinen Fall für einen Zufall.

Aus diesem Grund nennen wir Chaosisten diesen ursprünglichen Zusammenhang »Chaos«, statt »Gott« oder irgend einen anderen traditionellen Namen zu verwenden, um jeglichen anthropomorphischen Gedanken bei etwas zu beseitigen, das so vollständig un-menschlich ist, daß es sich dem Verständnis gänzlich entzieht – zumindest dem, welches mit intellektuellen Mitteln erreicht werden soll.

Ein anderer Grund für diese Bezeichnung besteht im Umstand, daß viele der Konzepte moderner Chaostheorie metaphysisch interpretierbar sind. Es ist zum Beispiel offensichtlich, daß viele okkulte Systeme eine ganze Reihe von Faktoren gemeinsam haben. In der Chaostheorie gibt es etwas, das wir einen »unbekannten Anziehungspunkt« nennen, welcher eine bestimmte Form jenes Zusammenhangs ist, der in einem turbulenten System entsteht. Ein gutes Beispiel dafür bietet ein Strudel; er entsteht sowohl in einer Luftströmung als auch in fließendem Wasser oder in Staubstürmen – in allem, vom Roten Fleck auf dem Jupiter bis im Ablaufwasser eines Badewannenabflusses. In magischen Begriffen gesprochen, wäre ein unbekannter Anziehungspunkt zum Beispiel astrale Projektion oder die entlang der Wirbelsäule ausgerichteten Energiezentren. Chaosmagier suchen nach solchen Gemeinsamkeiten anscheinend unterschiedlicher Systeme und verwenden sie als Anhaltspunkte für zugrundeliegende Faktoren, die ihres unbedeutenden Symbolismus beraubt direkte Verwendung finden können. Dies geschieht in der Absicht, die praktischen Techniken zu enthüllen, welche sich hinter der äußeren Fassade befinden.

In kulturellen Begriffen gesprochen kann Chaosmagie als die Vorhut der Zeremonialmagie beschrieben werden. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern bringt sie mehr Spontaneität mit sich und vermeidet eine strenge Rahmenstruktur aus Ritualen und Prozeduren. Ebenso erforscht sie die Techniken des Schamanismus und der Hexerei – Dinge, angesichts derer die meisten magischen Traditionen dazu neigen, sie hochnäsig als »unter ihrer Würde« zu betrachten. Chaosmagie wird von vielen modernen kulturellen Trends beeinflußt, hierzu gehören zum Beispiel Cyberpunk, Postmodernismus und Dekonstruktionismus. Sie versucht, viele der aktuellen Theorien aus Wissenschaft und Philosophie wie zum Beispiel die Quantenphysik, die Synchronizitätstheorie und – natürlich – die Chaostheorie einzubeziehen. Es gibt sogar Einflüsse aus der Geschichte des Okkultismus, wie beispielsweise durch Aleister Crowley, Austin Osman Spare, den Taoismus, den tibetischen Buddhismus, viele Formen des traditionellen Schamanismus und sogar durch bestimmte Autoren des Science-fiction und der Fantasy-Literatur.

Oder, um einen dieser Autoren – nämlich Peter Carroll – zu zitieren: »Wenn Sie eine Kurzdefinition haben möchten, der die meisten Chaosisten zuzustimmen geneigt wären, würde ich die folgende anbieten: Chaosisten akzeptieren üblicherweise den Meta-Glauben, daß der Glaube selbst nur ein Werkzeug zum Erreichen von Wirkungen darstellt; er ist kein Selbstzweck.«

Der Meta-Glaube ist ein wichtiges Konzept in der Chaosmagie. Dahinter steht der Gedanke, daß es sich beim Glauben um nicht mehr als einen psychologischen Geisteszustand handelt, obwohl er durchaus die Kraft hat, unsere eigene und manchmal auch die Realität anderer Menschen zu formen. Er ist das Mittel, nicht der Zweck; das Fahrzeug, aber nicht das Ziel.

In »The Theatre of Magick« schrieb Ray Sherwin: »Der Chaosmagier glaubt nicht im Sinne von Vertrauen. Er oder sie führt praktische Experimente durch, um zu ermitteln, ob den Postulaten, die er oder sie entweder selbst entwickelt oder von jemand anderem ausgeliehen hat, irgendein Wert innewohnt. Es ist eine Tatsache, daß wir uns um der Übereinstimmung willen alle gewisse organische Glaubensformen aneignen müssen. Sie alle glauben daran – zumindest die meiste Zeit über – daß der Stuhl, auf dem Sie gerade sitzen, real ist. Dies ist nicht unbedingt ein geistiger Vorgang, sondern eher ein instinktiver oder organischer, ohne welchen das Leben unmöglich wäre.« Diese Glaubensebene trifft nicht das, womit sich der Meta-Glaube beschäftigt, sondern hat eher mit der Ebene des Vertrauens zu tun.

Die Ausübung des Meta-Glaubens verleiht eine furchtbare Freiheit sowie eine ebenso furchtbare Verantwortung. Chaosmagisches Arbeiten umfaßt die vorübergehende Annahme eines zwanghaften Glaubenssystems, dessen magische Möglichkeiten es erlauben, einen bestimmten Effekt zu erreichen; dem folgt dann zur Vervollständigung der Arbeit die Aufgabe dieses Glaubens. Aufeinanderfolgende oder sogar einander widersprechende Glaubenssysteme werden je nach Wunsch oder Notwendigkeit angenommen. Um dies tun zu können ist es von übergeordneter Wichtigkeit, daß kein einzelner Glaubenskreis jemals als letztendlich wahr akzeptiert wird.

Diese Verweigerung jeglichen Absolutismus erklärt den unheilvoll bösen Ruf der Chaosmagie im modernen Okkultismus mehr als alle anderen Faktoren. In fast jedem früheren Fall eines Wiederauflebens okkulter Philosophie wurden deren »hohe moralische Maßstäbe« fanatisch ausgerufen – und zwar unabhängig von ihrem öffentlichen Ansehen. Gerald Gardner formulierte im Zuge seiner »Wiederbelebung« der Hexenkunst nahezu zweihundert moralische »Gesetze«, um die Aktivitäten seiner Anhänger zu lenken, welche bis auf den heutigen Tag mit dem Ziel, die Welt von ihrem Wohlwollen zu überzeugen, eine ewige Schlacht schlagen. Sogar Aleister Crowley und seine Nachfolger haben stapelweise Prosa fabriziert, um den Thelema-Grundsatz »Tue, was du willst soll sein das ganze Gesetz« als »höheres« moralisches Gesetz zu etablieren. Ob dies zutrifft oder nicht steht hier nicht zur Debatte. Chaosmagie umgeht diese Streitfrage gänzlich; es gibt kein Dogma, welches einem »gute« oder »gesunde« moralische Maßstäbe indoktriniert, bevor man mehr über die Einzelheiten der Arbeitsweise erfährt. Wer Chaosmagie praktiziert, muß selbst entscheiden, was letztendlich für ihn »gut« oder »böse« ist.

Als Ergebnis dessen hat Chaosmagie keinerlei Begrenzungen. Dies ist kein neues System oder ein Aufguß älterer Systeme oder irgend eines anderen, bereits existierenden Modells – es ist eine Einstellung, ein anderer Weg, die Kunst der Magie zu betrachten. Es ist auch nicht »neu«, da jeder frühere Adept, der jemals seinen eigenen ketzerischen Pfad verfolgt hat, tatsächlich dem Ruf des Chaos antwortete. Doch sowie aus irgend einem Pfad ein System erwächst, sowie heilige Bücher geschrieben und Rituale, Sitten und Moralformen für »die Anhänger« verordnet werden, hat es aufgehört, Chaosmagie zu sein. Sie bleibt dies nur, wenn wir stets auf diesem schmalen Grad weitergehen, auf welchem wir dem Fluß des Chaos begegnen.

Es ist allerdings nicht dasselbe wie schlicht und einfach nach allem zu greifen, was geschieht und unsere Phantasie beeindruckt. Auch die Vermischung und Verschmelzung von Teilen und Versatzstücken mehrerer verschiedener alter Rituale und Glaubensstrukturen zu einem »System« – auch wenn es ein persönliches ist – repräsentiert ebenfalls nicht die Chaosmagie. Eingeschlossener Glaube bleibt eingeschlossen. Es ist weitaus wichtiger, frei zu bleiben, um die Grenzen zu erweitern, als »korrekt« oder gar beständig zu sein. Chaosmagie stellt nicht nur einfach einen neuformulierten Mischmasch alter magischer Traditionen und im Trend liegender neuer Etikette dar.

So, wie Chaosmagie heute allgemein definiert wird, leitet sie sich von den Arbeiten Austin Osman Spares und Peter J. Carrolls her. Beide wiesen den größten Teil der traditionellen magischen Praxis als unnötig kompliziert, kulturell selbstgerecht und im allgemeinen unwirksam zurück; auch sahen sie die in diesen Kreisen geläufige Furcht vor den machtvollen, aber gefährlichen Techniken der Hexerei und des Schamanismus als hinderlich an. Ebenso waren beide der Ansicht, die traditionellen okkulten Lehren beschäftigten sich weitaus mehr mit der Vermittlung eines moralischen Systems als mit allem anderen, was aus diesen Systemen in der Tat Religionen mache. Spare zog als erster eine Verbindung zwischen Magie und dem zu seiner Zeit relativ neuen Bereich der Psychologie, womit er die okkulte Praxis von der Notwendigkeit einer religiösen Weltsicht befreite. Carroll gründete zusammen mit Sherwin die Illuminaten von Thanateros (IOT) und versuchte auch, die Konzepte der Chaostheorie und der Quantenmechanik in die Bereiche des Okkulten und Paranormalen mit einzubeziehen.

Dementsprechend ist die Chaosmagie vielleicht die erste Form der Zeremonialmagie, welche sich dem Gegenstand ihres Interesses nicht in der Art einer antiken Kunst nähert. Statt dessen wird Magie als etwas begriffen, mit dem man experimentieren und innerhalb dessen man Verbesserungen vornehmen kann. Praktischerweise geben alle anderen Systeme – sie werden ja schließlich nicht umsonst »Traditionen« genannt – vor, daß »die alten Meister« alle Geheimnisse der Magie bereits vor langer Zeit entdeckt hätten und wir armen modernen Menschen nur darauf hoffen könnten, wenigstens einen kleinen Schimmer der vergangenen Herrlichkeit zurückzuerobern. Diese antiquierte Einstellung hat die Entwicklung der magischen Künste seit dem Untergang Roms gelähmt.

Chaosmagie unterscheidet sich von den »Systemen« der Vergangenheit weiterhin durch ihren spezifischen Zugang. Sie sieht Ritualmagie eher als Psychodrama denn als echte Verehrung an und ähnelt als solche eher der Stanislavsky-Methode in der Schauspielkunst. Das primäre Ziel eines chaosmagischen Rituals besteht darin, einen mentalen Zustand zu schaffen, den wir als »Gnosis« bezeichnen. Der Begriff wird in diesem Fall ähnlich seiner Verwendung durch die Tantristen gebraucht, wo der umherschweifende Geist zum Kurzschluß gebracht wird, so daß die Absicht des Magiers in den Quantenfluß des Universums eingeprägt werden kann. Wie ein nach der Stanislavsky-Methode arbeitender Schauspieler trachtet der Chaosmagier danach, die Alltagswirklichkeit zu überlisten und jeglichen Zweifel aus seiner momentanen Realität auszuschließen. Um dies zu erreichen, bedient er/sie sich der Werkzeuge eines Schauspielers: Bühnenbild, Kostüme, Requisiten, Worte, Klänge und besonders dessen, was Stanislavsky die emotionale Erinnerung nennt. Jedes kraftvolle und verwandelnde Erlebnis kann genutzt werden, um diese emotionale Erinnerung anzuzapfen – das schließt Sex ebenso wie Schmerz, Verwirrung, Begeisterung, Abscheu und Ekstase ein, vor allem in einander widersprechenden Kombinationen.

Chaosmagier verwenden Sigille (magische Absichten, die in Form symbolischer Zeichen oder als Mantras wiedergegeben werden), rituelle Techniken jeden Ursprungs (vor allem ethnisch-ursprüngliche) und Artefakte jeder gewählten Kultur zur Formung eines magischen Raums, welcher eine vorübergehend autonome Zone darstellt, in der der Zustand der Gnosis erreicht werden kann. Gnosis ist die Tür zur wirkungsvollen Magie; im Augenblick der Zeitlosigkeit, im Zustand der magischen Trance bildet der Geist eine direkte Schnittstelle zur nichtkausalen Verbundenheit aller Dinge im Universum. Starke emotionale Reaktionen sind der am leichtesten zugängliche Schlüssel zur Gnosis; psycho-dramatische Rituale, die die emotionale Erinnerung zur Hervorbringung der gewünschten Reaktion verwenden, stellen die Hand dar, welche den Schlüssel hält.

Da ein Ritual traditionell eine Landkarte des Bewußtseins darstellt, kann es auch als Karte des neuen Pfades dienen, den man in seiner eigenen Psyche geschaffen hat. Festgelegte und beschriebene Rituale sind zusammen mit solchen Machwerken wie »Schattenbüchern«, »heiligen Büchern«, »Veröffentlichungen im Soundso-Magazin« und so weiter genau dafür geschaffen, den Magie Praktizierenden vor dem Chaos zu schützen. Kurz gesagt – es gibt immer Raum für neue chaosmagische Methoden, aber niemals für chaosmagische Systeme.

Philosophisch gesehen enthält die Chaosmagie Ähnlichkeiten mit dem Taoismus, die taoistische völlige Stille allerdings ausgenommen. Der Erfolg dieser Magieform hängt von der gänzlichen Selbstvernichtung ab und hat auf diese Weise viel mit der buddhistischen Nagarjuna- und der Madhyamaka-Schule sowie vielleicht in noch höherem Maße mit der Nyingmapa-Schule des tibetischen Buddhismus gemeinsam; eine Untersuchung der Chod-Rituale des tibetischen Buddhismus wird der Formulierung effektiver Chaosriten wertvolle Anhaltspunkte bieten. Die Auswirkungen eines Zen-Koans auf den schweifenden Geist vermitteln eine schwache Ahnung dessen, wonach ein Chaosmagier sucht.

Die Ausübung der Chaosmagie kann destabilisierende Wirkung haben, da sie zur Zerstörung des Glaubens geschaffen wurde. Ebenso wie die Anwendung psychedelischer Drogen ist sie in der Lage, die persönliche Realität drastisch zu verändern. Aus diesem Grund ist Chaosmagie nichts für empfindliche Menschen oder für jene, die sich vor dem fürchten, was in den Tiefen ihres Selbst lauert.